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Das Instandsetzungsprojekt für die Versicherungskammer Bayern in München umfasst die Planung und Umsetzung einer kathodischen Korrosionsschutzanlage (KKS). Diese wird sowohl in der LKW‑Anlieferungszone als auch in der zweigeschossigen PKW‑Tiefgarage installiert. Die Geiger Bauwerksanierung übernimmt bei diesem Projekt sämtliche Arbeiten für den Bauherrn.
Beide Bereiche zeigen altersbedingte Schäden. Besonders in der LKW‑Anlieferungszone ist die Bodenbeschichtung stark gerissen. Ziel der Maßnahme ist es, die Stahlbewehrung dauerhaft vor Korrosion zu schützen und eine Restnutzungsdauer von mindestens 25 Jahren zu sichern.
Zum Einsatz kommt das Verfahren 10.1 der Technischen Regel Instandhaltung. Dabei wird ein elektrisches Potential angelegt, das die Stahlbewehrung kathodisch schützt.
Bodenflächen: Einsatz eines Carbongewebes vom Typ Koch Carbon 3. Das Gewebe wird flächig aufgelegt und anschließend mit Fließmörtel überdeckt.
Rampenbereiche: Einbau von Titanband-Anoden (MMO-Anoden) in dafür hergestellte Schlitze, die ebenfalls mit Mörtel verfüllt werden.
Stützen und ähnliche Bauteile: Verwendung von Diskretanoden.
Zur Überwachung werden Referenzelektroden nach DIN EN ISO 12696 installiert. Sie ermöglichen die Potentialmessungen und die automatische Regelung der Anlage.
Die Betonflächen werden mechanisch durch Fräsen und Kugelstrahlen vorbereitet. Dadurch werden Rautiefe und Haftung entsprechend den Vorgaben der TR Instandhaltung erreicht. Für die Schlitze der Titanbandanoden gelten feste Maße. Außerdem wird sichergestellt, dass dabei keine Bewehrung beschädigt wird. Das Carbongewebe wird auf dem vorbereiteten Untergrund fixiert, überlappt und zusätzlich verdübelt. Die Primäranode wird punktverschweißt und anschließend vollständig mit Fließmörtel eingebettet.
Für die Systemauslegung wird eine Schutzstromdichte von 15 Milliampere pro Quadratmeter angesetzt. Es kommen leistungsstarke Capsys‑Geräte mit bis zu 48 Volt zum Einsatz. Die hohe Spannungsreserve ermöglicht eine zuverlässige Regelung trotz Leitungsverlusten und steigender Polarisationswiderstände. Die Schutzzonen wurden so eingeteilt, dass mehrere getrennte Bereiche unabhängig geregelt werden können.
Im Zuge der Planung erfolgen umfangreiche Berechnungen zur Stromverteilung im Anodennetz – insbesondere zur Homogenität des Carbongewebes und zum Spannungsabfall in Primär- und Sekundäranoden. Unter anderem wird nachgewiesen, dass bei Ausfall einer Primäranode die Spannungsdifferenzen innerhalb der zulässigen zehn Prozent liegen. Die Materialkennwerte des Carbongewebes wurden durch Messreihen der Koch Carbon Consulting GmbH bestätigt.
Vor Inbetriebnahme der KKS‑Anlage erfolgt eine vollständige visuelle Kontrolle des Systems, insbesondere der Verkabelung, Verteilerschränke, Anodenverbindungen und Referenzelektroden.
Nach einer Mindestaushärtungszeit von 21 Tagen wird die Anlage schrittweise hochgefahren – beginnend mit zehn Prozent der Auslegungsstromstärke. In mehreren Intervallen werden Potentialverschiebungen gemessen, wobei das 100‑Millivolt‑Kriterium aus DIN EN ISO 12696 erreicht werden muss. Die Einregelungsphase kann bis zu 60 Tage dauern und endet mit einer abschließenden Bewertung aller Messdaten.
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